Löbauer Zeitung - Kultur -
Sächsische Zeitung - 3. November 1997
Harry's Freilach,
eine Berliner Gruppe, begeisterte die Besucher der Eröffnung
des Kunstbahnhofes Herrnhut mit Klezmer-Musik, einer jüdischen
Feier- und Tanzmusik, die ihren Ursprung in Osteuropa hat. Foto:
Matthias Weber
Gutes Grundgefühl zu wunderbarer
Musik
Kunstbahnhof und Galerie im Bahnhof Herrnhut
feierlich eröffnet
Herrnhut (SZH/se). Er habe ein gutes Grundgefühl
gehabt, sagte Dietrich Arlt am späten Freitag abend. "Zwar
steckten wir bis etwa eine halbe Stunde vor Ausstellungsbeginn
noch mitten in den Vorbereitungen, doch letzten Endes haben wir
alles zum Punkt in den Griff bekommen." Die Eile war selbst
in der Ausstellung noch greifbar. So mancher Skulpturen-Ständer
war noch farbfrisch, was ein Anlehnen etwas gefährlich machte,
zumindest für die Sachen.
Es geht um die Eröffnung des Herrnhuter Kunstbahnhofes
am letzten Freitag, dem Reformations-Feiertag. Hier hatten sich
Künstler und Kunstinteressierte aus der Oberlausitz, aber
auch aus Dresden und Berlin eingefunden, um bei "Feiern oder
nicht feiern - wir tun es" den Reformationstag mit einem
Fest zu begehen. Mit der Eröffung des Kunstbahnhofes ging
die Eröffnung der Galerie Aeras einher. Eine Galerie, die
von nun an mit ständig wechselnden Künstlern den Facettenreichtum
moderner Kunst zeigen soll.
Dietrich Arlt ist der Kopf hinter Kunstbahnhof und
Galerie. Arlt war es auch, der in den vergangenen Monaten mit
Eifer auf diesen 31. Oktober hingearbeitet hatte. Der Berliner
Künstler pendelte in den letzten Wochen zwischen Herrnhut
und Berlin hin und her, versuchte, die Herrnhuter für sein
Projekt Kunstbahnhof zu begeistern. Da diese einer geplanten Ver3einsgründung
reserviert gegenüberstanden, führt Arlt das Projekt
Kunstbahnhof nun vorerst auf privatwirtschaftlicher Basis. Getreu
dem Motto "Feiern oder nicht feiern - Wir tun es" wird
es getan. Die Vereinsgründung ist indes nicht von der Tagesordnung
- "ich versuche nun, dafür in der gesamten Oberlausitz
Mitglieder zu werben, und nicht nur in Herrnhut."
Der Eröffnung des Kunstbahnhofes wie auch der
Galerie Aeras tat die Frage Verein oder privatwirtschaftlichjedenfalls
keinen Abbruch. "Ich habe mich besonders über die vielen
Herrnhuter gefreut, die zur Eröffnung kamen", sagte
Arlt später. Auch Herrnhuts Bürgermeister Rainer Fischer
war erschienen und hielt eine kurze Ansprache. Von einem Gewinn
für Herrnhut sprach er, aber auch davon, nicht in Konkurrenz
zu bereits bestehenden Angeboten in der Region zu treten. Diese
Gefahr sieht Arlt jedoch nicht: "Es wird keine Konkurrenz
geben."
Das Angebot an Kunst und Kultur war am vergangenen
Freitag jedenfalls breit. Mit Ludmilla Seefried-Matejkova, Ulrike
Hogrebe, Andrzej Nowacki und Klaus Duschat stellten vier Künstler
aus Deutschland, Polen und der Tschechischen Republik ihre Bilder,
Steinskulpturen und Stahlplastiken aus. Dazu gab's wunderbare
Musik mit "Harry's Freilach" und den "Kavalieren"
- Klezmer, Tango, Rock. Den Besuchern im Kunstbahnhof gefiel diese
Mischung. Viele blieben bis in die späten Nachtstunden in
den alten Bahnhofsräumen.
Die Ausstellungszeiten der Galerie Aeras sind noch
bis zum 11. Januar des nächsten Jahres jeweils freitags,
sonnabends und sonntags von 14 bis 20 Uhr oder nach telefonischer
Vereinbarung. Ab 11. Januar wird es dann eine neue Ausstellung
geben, diesmal eine des Künstlers Helmut Metzner. Um am 13.
Februar des nächsten Jahres ist ein Winterfest geplant. Motto
hier: "Haben oder nicht haben". Herrnhut jedenfalls
hat's.
Bahnhofskünstler Dietrich Arlt (2.v.l.)
bei der Vorstellung der Künstler: Ludmilla Seefried-Matejkova,
Andrzej Nowacki und Ulrike Hogrebe (von links).
GALERIE AERAS
HERRNHUT IM DREILÄNDERECK
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